(Teile dieses Posts sind auch in die About Sektion eingegangen).

Was ist denn eigentlich eine Hjarta? Das Wort findet man heute noch im Isländischen und Farö, sowie in leicht anderen Schreibweisen im Dänischen, Schwedischen, Friesischen, und Norwegischen. Hier bedeutet es “Herz”. Im proto-Germanischen war es hertô.

Im Alt Norse bedeutete es eine ganze Menge Dinge, die heute alle noch die Herkunft erahnen lassen: Herz, Herd (“hearth” im Englischen), Heim, Heimat, und Haus.

Das Wort “Jurte” kommt indirekt auch aus dem proto-Germanischen und hat sich über das türkische Wort “Yurt” (Heim), welches wiederum aus dem hertô entstand, eingedeutscht.

Ich habe 1996 mit dem “Bloggen” angefangen. Damals war das Ganze eine schlecht zusammengeklatschte index.htm Datei, die wohl auf keinem Browser gut aussah, und eine Serie von .txt Dateien, die als Index angezeigt wurden. Man kann bei Apache mit einer Direktive (HeaderName header.html und ReadmeName footer.html) vor dem und nach dem eigentlichen DirectoryIndex HTML Dateien anzeigen lassen, und das reichte aus.

Dort fanden sich meine ersten Versuche, Medizinische Forschung zu machen, ein paar blöde Rants, und viele Links zu AmiExpress Mods, weil ich immer noch eine Amiga BBS im Zimmer hatte.

1999, als ich in die USA zog, gab es ein “Upgrade”. Das gleiche Jahr kam das Wort “Blog” auf, ein Smush aus Web Logbook oder Weblog. Also wollte ich auch eines, und nach einigen Versuchen mit Blogger und Livejournal fand ich im November 2000 eine Heimat auf einer Greymatter Installation eines Freundes. Wenige Wochen später, frustriert von Perl und den Restriktionen meines Freundes, kaufte ich einen Rechner und versuchte meine eigene Software in Python zu schreiben. Das schlug gewaltig fehl.

Never Mind The Buzzcocks

Irgendwann fand ich dann meinen Weg zu Drupal, von dort zu WordPress, und da war ich bis vor wenigen Wochen (mikka.is existiert noch und wird auch weiter benutzt).

Blogging Software wurde besser. Viel besser. WordPress ist ein one-stop Shop für Alles, drag und drop Bilder, Gutenberg verspricht WYSIWYG Layouts, und wer AMP oder Facebook Instant Articles will, der kickt einen Button und schon ist’s da.

Aber Blogging veränderte sich auch. Von öffentlichen Tagebüchern (Livejournal lebte es vor) zu Magazinen mit editorialisiertem Content. Die Aufgabe der ersten Blogs wurde von Facebook, Twitter, und Anderen übernommen, die “Blogs” der ersten Stunde, Logbücher im Web, starben langsam aus.

Schön ist das nicht. Heute muss ich mich auf Facebook begeben, um zu sehen, wie’s meinen Freunden geht. Schlimmer noch, Facebook verwendet diese herzoffenen Texte nicht nur um meine Freunde und mich zu bewerben, es entscheidet auch für mich, was mich interessiert und für meine Freunde was sie sagen dürfen und was nicht.

Also wollte ich nicht mehr bloggen. “Bloggen” in dieser neuen Version, editorialisiert, click-bait optimiert, SEO angepasst, überall verlinkt, und mit Amazon Affiliate Links versehen. Aber ich wollte meine Gedanken auch nicht auf Facebook oder Twitter in die Welt blasen und hoffen, dass sie morgen noch da sind. Das IndieWeb, POSSE, Webmention.IO und Brid.gy helfen mir da aus.

Ein Winter, Eine Hajrta

Dieser September war ein kalter Monat. Nicht nur das, er folgte auch einem kalten Sommer, und die Altweibertage bleiben wohl aus. Bei rotem Wein und dem ersten offenen Kaminfeuer des Jahres redeten wir über online sein, und sich nicht mehr dort “zuhause” zu fühlen. Zwischen Clickbait und Algorithmen, Trollen und Gegentrollen, Hass- und Anklageschriften. Wo war die Freundschaftskultur, die “Virtual Village”? Alt fühlt man sich, und fragt sich ob man der haarlose Opa geworden ist, der die Kinder über die alten Zeiten anmeckert.

“Weisst Du,” sagte ich, “so ein Hjarta Online müsste man sich schaffen. Ein Platz wie am Kamin, an dem man einfach erzählen kann. Ein Platz an dem man sich willkommen fühlt und warm.” Ein Zuhause, das ‘my home on the web’ ernst genommen. Ein Platz auf dem man nicht immer dozieren und kämpfen und belehren muss, sondern auch mal von sich selbst, anekdotisch, erzählt. Ein Plätzchen auf dem man Hygge leben kann.

Revers-chronologisch sollte es sein. Nicht kompliziert. Einfach zu bearbeiten. In meiner eigenen Hand, weil ich entscheiden will, was ich schreibe, und was man sieht, wenn man mich besucht.

Hjarta.io

Und deshalb habe ich hier meine Hjarta eingerichtet. Ich denke es wäre toll, wenn Du das auch tun würdest. Meine läuft auf #Jekyll, aber es geht natürlich auch auf WordPress, oder was auch immer. #Jekyll deshalb, weil ich meine Tagebucheinträge aus Day One als Markdown direkt hier publizieren kann, ohne viel extra Arbeit, weil auch das Hjarta ist, nicht über die Kleinigkeiten stressen.

Ich denke nicht, dass viele Menschen lesen werden, was ich hier zu schreiben habe. Muss auch nicht. Auch das ist Hjarta, die Tür ist offen, aber ich kann auch mal für mich alleine sein.

Am Ende einer Jahreszeit nehme ich alle Artikel und kopiere sie auf einen USB Stick für später. Vielleicht schicke ich sie auch raus und lasse sie als Buch binden. Wer weiss… aber das ist ein Projekt für einen anderen kalten Sonntag am Kamin.