Die Locks of Love sind fast überall. Selbst im verschlafenen Bamberg in Bayern hat man sie an die Brücke gehängt. Die Meisten ignorieren sie, ein paar beschweren sich über Baustatik, einige Weitere hängen ihre eignen an, und dann gibt es die, die sich über das “Symbol” der Schlösser aufregen.

Ist es? Ist das Schloss wirklich das falsche Symbol für Liebe? Keine Ahnung. Für mich ist es das nicht, klar, aber meine Symbole sind, würde man eine Umfrage starten, auch nicht gerade die “Richtigen”.

Stattdessen sehe ich mich den ungläubigen Blicken meiner Gegenwartsgesellschaft ausgesetzt, den großen Augen, und dem mehr oder weniger sofortigen Drive, mir meine “falsche” Liebe auszutreiben.

Pastoren machen das ganz gerne, und die, die sich diesen Pastoren anschließen. Da wird oft davon gesprochen, dass ich falsch liebe, dass meine Liebe eben nicht “richtig” oder “erwachsen” ist, und dass ich besser ganz schnell lerne, richtig zu lieben, sonst bin ich kein vollwertiger Mensch.

Ich mag das nicht. Und weil ich das nicht mag, mag ich es auch nicht, Anderen zu erklären, wie sie zu lieben zu haben. Für den Einen ist eine monogame Fernbeziehung mit einem anderen Mann die perfekte Liebe. Für die Andere ist eine polyamore Beziehung in einem V in einer WG perfekt. Für Hans und Lisa kommt nur monogam ohne Kinder, für Max und Franz nur polyamor mit Kindern, und für Anton und Betty eben ein Schloß an der Brücke in Frage.

Ich will nicht zum Prediger der perfekten Liebe werden. Ich will nicht annehmen, dass meine Art zu lieben “besser” oder “aufgeklärter” sei, als die Anderer. Weil ich das auch nicht mag, wenn man mir das in’s Gesicht schmettert.

In Bamberg hat eine “Künstlerin” mit dem Lockpick Set die Schlösser aufgemacht und neu angeordnet. Irgendwie hat sie das als Kunst und als Ausdruck ihrer fortschrittlicheren Interpretation des Gefühls Anderer verkauft. Das macht der Pastor auch. Und Regimes. Andere in eine neue Gefühlswelt zwingen, ihnen erklären, dass sie falsch lieben, und sie – im Namen einer Aufklärung – zu ihrem Glück zwingen. In Nacht und Nebel wird hier mit symbolischer Gewalt eine Verbindung zwischen Menschen geschaffen, die dieser nicht zugestimmt haben. Wir haben ein paar Wörter für Menschen, die Andere dazu zwingen sich näher zu kommen, auch wenn das nicht deren Wunsch ist. “Künstler” oder “aufgeklärt” sind es nicht.