Wenn man das Teil fertig hat, kann man Mindfulness ausprobieren, oder sich mal selbst dabei beobachten wenn man Dinge tut. Ich kenne DIY EEG Menschen, die sich beim Mittagessen “lesen” und versuchen, dem Computer beizubringen, wie gutes und nicht so gutes Essen, bei welchem Hunger, aussieht.

Wie wir aber wissen, ist so ein EEG doch nur ein Datenpunkt. Ein häusliches fMRT kann man sich noch nicht so einfach zusammenbasteln. Selbst wenn, auch fMRT sind keine Panacea, und eigentlich so gar nicht aussagefähig, wenn man neueren Forschungen in dieser Richtug Glauben schenken will.

Also, warum?

Du kannst an den Frontlinien eines bisher wenig erkundeten Kontinents mitwirken. Als Landvermesser oder Reisender im Konnektom echtes Neuland entdecken. Du kannst neue Dinge über Dich selbst lernen. Jobs in der Mindcontrol Welt, von Protesen bis Spielen, sind gerade am Kommen, wer hier den ersten Fuß in der Tür hat, der wird bald (und ist teilweise schon jetzt) hoch gefragt sein.

It’s all in the books, baby!

Literacy” ist, zum Ersten, das Zauberwort. Gerade in den letzten Monaten hat sich mal wieder die Diskussion über EEG, MRT, und die Frage nach den “Unterschieden” zwischen den Geschlechtern, Kulturen, Hautfarben, und anderen offensichtlichen Merkmalen an die Oberfläche gedrängt. Da wird dann auch gerne, von Vetretern aller Gedankenrichtungen, mal schnell etwas behauptet, weil es in der New York Times, Atlantic, New Yourker, oder sogar Buzzfeed so stand.

Das menschliche Gehirn ist, in seiner Funktion, seinem genauen Aufbau, der Neuobiologie, Neurochemie, Neurophysiologie, und Neuropsychologie, noch ziemliches terra nova. Wenn es einen Satz gibt, der wir in den Neurowissenschaften mehr als jeden Anderen hören, dann ist es “das wissen wir nicht” oder “keine Ahnung”. Selbst die Funktion bekannter und beliebter Schmerz- und Narkosemittel ist uns bis heute nur oberflächlich bekannt. Wirkweisen sind eine schwarze Box, in der wir ständig blind herumkramen und versuchen, im Dunkeln aus einer grob gefühlten Form eine Funktion herzuleiten.

Das hat sein Schönes. Wir treffen jeden Tag auf neue Erkenntnisse, verwerfen Bekanntes als widerlegt, und diskutieren viel. Es mach dieses Feld auch ein ergiebiges für die DIY und Hacker-Communitiy, genau wie die Astronomie vor 200 Jahren oder Computer vor 30.

Es hat auch seine Nachteile. “Einfache” Erklärungen werden gerne hergenommen um Unbekanntes zu erläutern. Wie die ersten Menschen fällt es uns leichter, Blitz und Donner auf die Götter zu schieben als die notwendigen Grundlagen zu schaffen um deren Funktion als Symptom einer Temperaturverschiebung und resultierender energetischer Entladung zu sehen.

Wer sich mit dem Baue eines DIY EEG beschäftigt, der findet auch schnell die Grenzen der Neurowissenschaften. Diese Form der Belesenheit macht es einfacher, den reisserischen Titeln der Magazine und Blogs, sowie den Behauptungen der Aktivisten, Wissenschaft entgegenzustellen. Selbst wenn es nur ein “das wissen wir ja noch gar nicht” ist.

Push and Shove

Das Internet, wie wir es heute kennen, wäre ein Anderes, hätte es nicht inn, Bind, Apache, Sendmail, oder die Clients, die diese Daten auswerten, gegeben. Hacker “bauten” das Internet. In der Medizin ist das Anders. Unsere “Erfolge” sind die der großen Unternehmen, die Software is träge und oft veraltet. Auch heute laufen viele moderne EEGs und MRTs noch auf Windows 95 oder XP, Datenauswertungen sind in Delphi oder Turbo Pascal geschrieben, und Schnittstellen sind weder genormt noch vereinheitlicht, oft sogar durch Patente unbrauchbar gemacht.

Hätten John Chambers (S, die statistische Version von Scheme) und später Ross Ihaka und Robert Gentleman (die Programmiersprache R) nicht ihre Energie in ein Open Source Data Science Paket gesteckt, würden wir heute noch Studenten dazu zwingen müssen, SPSS zu kaufen und zu lernen, statt eine zukunftsstarke, offene, Lösung verwenden zu können. Selbst der Home-EEG Mark ist im Augenblick von einer Firma dominiert, welche ihre API nur gegen einen Obolus von mehreren hundert Euro im Jahr (mehrere Tausend, wenn man etwas Nützliches will) bereitstellt, und die Daten, welche mit dem EEG erhoben werden, bei sich zwischenspeichern will. Diese Entwicklungen tun weh, sie nutzen nur den Verkäufern der jeweiligen Firmen, und halten die Forschung zurück.

Erst wenn sich die Hacker-Community auf diese Projekte stürzt, wenn die Universitäten interdisziplinär arbeiten, weil es ein Interesse und einen billigen Einstieg gibt, erst dann kann sich in diesem Feld etwas bewegen. Die Elfenbeintürme der Unis und Labore der Industrie dürfen nicht länger die Zukunft der Technologie in der Hand haben.

Was wir brauchen

Wir brauchen gute Visualisierung von Daten. Wir brauchen R Packages, die diese Daten auswerten können und Cluster erkennen und analysieren. Wir brauchen Python (und vielleicht Ruby) Libraries, um Daten in Echtzeit zu korellieren. Und dann brauchen wir die Elfenbeintürme um diese zum Standard in der Forschung und Lehre zu machen, damit die Windows 95 + Turbo Pascal Lösungen einfach nicht mehr zeitgemäß sind, und abdanken müssen.

Wir brauchen billigere und kleinere medizinisch relevante EEG, damit wir unsere Patienten nicht den ganzen Tag bei uns einsperren oder mit einem Helm nach Hause schicken müssen. Und wir brauchen diese EEG zu einem Preis, der es uns erlaubt, mehr Patienten das Monitoring und die Analyse zukommen zu lassen, die am Ende Leben rettet und Lebensqualitäten erhöhen kann.

Wie du helfen kannst

Der erste Schritt ist das Interesse. Biohacking- und DIY EEG Gruppen gibt es in den meisten Städten, oft gibt es auch Hackerspaces, die sich vielleicht schon mit dem Thema beschäftigen. Wenn Du eine LUG oder andere Gruppe mit regelmäßigen Meetups hast, sag Bescheid und ich komme vorbei (innerhalb Europas) und zeige Euch ein paar Demos und Devices, mit denen man viel Spaß haben kann. Ich habe auch eine kleine Preiskasse für Hackathons, mit denen ich Projekte dotieren kann, die zum Beispiel Neurofeedback spielerisch möglich machen.